Dr. med. Lothar Fliegner

Hautarzt - Allergologie - Psychotherapie

 

Selbstzahler und Privatkassen

 

Praxis H. Zienert

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Allergien und allergische Erkrankungen

I. Einleitung:

 

Alles, was einfach ist, ist nicht wahr.

Alles, was kompliziert ist, - mit dem kann man nicht arbeiten.

 

Tout ce qui est simple, n’est pas vrai,

Tout ce qiu est compliqué, on ne peut pas l’utilizer.

Paul Valery

 

Wir Mediziner bewegen uns täglich zwischen diesen beiden Extremen. Im Gegensatz zur Physik sind wir noch weit davon entfernt, durch Entdeckung immer einfacherer Gesetze die Wahrheit immer umfassender zu verstehen. Möge uns die weitere Forschung helfen, in dem schwierigen, aber so wichtigen und hilfreichen Gebiet der Allergien zwischen beiden Extremen einen Weg zu finden.

 

II. Theoretische Grundlagen:

Ohne Theorie ist die Praxis nicht verständlich. Gestatten Sie deshalb zunächst einige Erläuterungen zur Theorie:

 

Was heißt Allergie?

 

Wir verstehen den Begriff am ehesten, wenn wir uns kurz mit der Systematik der Unverträglichkeitserscheinungen befassen. Der menschliche Organismus kann auf einen Fremdkörper, z. B. ein Gift, einen Schmutzpartikel, der bei einer Verletzung unter die Haut gerät, oder sonst ein Antigen, welches er nicht verträgt, angemessen, das heißt normal reagieren, wir sprechen von einer normergischen Reaktion. Der Körper kann aber auch nicht angemessen, nicht mehr normal, eben andersartig, nämlich allergisch reagieren. Das Wort allergisch leitet sich aus dem Altgriechischen ab: állos = anders und ergos = Werk, Tätigkeit. Den Wortstamm allos finden Sie auch in dem Begriff Allopathie (im Gegensatz zur Homöopathie) oder in Allotria. Diese anderartige Reaktion kann nun verschieden ablaufen: nämlich zu stark (überschießend) oder zu gering oder überhaupt nicht. Im ersteren Fall – bei zu starker Reaktion – sprechen wir von einer allergisch-hyperergischen Reaktion, im zweiten Fall (wenn die Reaktion zu schwach ist) von einer allergisch-hypoergischen, und wenn die Reaktion ganz ausbleibt, von einer allergisch-anergischen Reaktion. Schließlich gibt es noch eine toxische oder Giftreaktion, bei der ein ganz anderer Mechanismus abläuft. Hier handelt es sich um eine direkte Zellschädigung, z. B. physikalisch durch einen Sonnenbrand oder chemisch durch eine Verätzung mit Säuren oder Laugen.

 

Die allergischen Reaktionen im engeren Sinne – was man im Volksmund unter Allergien versteht – betreffen die allergisch-hyperergischen Reaktionen.Wenn man landläufig von Allergien spricht, meint man diese Reaktionsform (Tafel 1). Vom zeitlichen Ablauf her unterscheiden wir vier Reaktionstypen von Allergien: nämlich Typ I, Typ II, Typ III und Typ IV. Beim Typ I ist die Abwehr- oder Gegenreaktion des Körpers bereits nach 20 Minuten voll ausgebildet, beim Typ IV dagegen erst nach 2 – 3 Tagen, also deutlich verzögert. Zwischen beiden liegt der Typ II und der Typ III. Beim Typ II entwickelt der Körper seine maximale Abwehr nach etwa zwei bis drei Stunden, beim Typ III nach etwa 6 – 12 - 18 Stunden. Die graphische Darstellung auf dem Bild möge Ihnen das Verständnis erleichtern. Die senkrechte Achse zeigt die Stärke der Reaktion in Abhängigkeit von der Zeit auf der waagerechten Achse.

 

Die Typen I und IV stellen die wichtigsten allergischen Reaktionen dar. Sie beruhen auf einer Antigen-Antikörper-Reaktion. Was heißt das?

 

Der Fremdkörper bzw. das Antigen, welches durch die Haut oder die Schleimhaut hindurch das Körpergewebe erreicht, wird vom Körper wahrgenommen und zwar als fremd erkannt. Diese Erkenntnis wird von den Erinnerungszellen des Immunsystems registriert und ein Leben lang gespeichert. Das Immunsystem bleibt für immer sensibel gegen dieses Antigen.

 

Gleichzeitig wird noch ein zweiter Mechanismus in Gang gesetzt, nämlich die Antikörperbildung. Der produzierte Antikörper und das Antigen sind einander sehr ähnlich, sie passen zusammen wie der Schlüssel zum Schloß.

 

Dringt ein Antigen zum ersten Mal in den Organismus ein, so dauert es im allgemeinen etwa acht bis zwölf Tage, bis die Erinnerungszellen des Immunsystems den Antikörper als fremd registriert haben und die Antikörperbildung in Gang kommt, die Antigen-Antikörper-Reaktion stattfindet und die Folgen dieser Reaktion als allergische Erkrankung manifest werden. Gelangt das gleiche Antigen später erneut in den Organismus, läuft der Vorgang bis zum Krankheitsausbruch wesentlich schneller ab. Der Körper ist ja sensibilisiert und die Antikörper sind schon vorhanden, so dass die Antigen-Antikörper-Reaktion sofort ablaufen kann. So das Schema bei der Antigen-Antikörper-Reaktion beim Typ I und IV (Tafel 2).

 

Beim Typ II und III ist die Reaktion anders. Antigen und Antikörper passen nicht direkt zusammen, sondern es bedarf der Zuhilfenahme eines besonderen Eiweißkörpers, des Komplements, welches sich zwischen Antigen und Antikörper schiebt, so daß beide nun mit seiner Hilfe zusammenpassen und der Antikörper das Antigen bindet und unschädlich macht.

 

Die Antikörper des Typ I bewegen sich frei und ungebunden im Körper hin und her: im Blut, in der Lymphe und in der Gewebeflüssigkeit. Dagegen sind die Antikörper beim Typ IV fest an die Körperzelle gebunden, man nennt sie daher fixe oder zellständige Antikörper. Wir nennen sie auch sessile, also festsitzende Antikörper, weil sie an einen Ort gebunden sind im Gegensatz zu den atopischen Antikörpern beim Typ I (topos = gr. der Ort), die eben an keinen festen Ort gebunden sind.

 

Die Antikörper des Typ I und IV können wir nachweisen: Beim Typ I an der Haut und im Blut, beim Typ IV nur an der Haut, nicht im Blut. Der Nachweis der Typ-II- und Typ-III-Reaktion macht dagegen noch Schwierigkeiten. Es handelt sich hier ja nicht um eine Antigen-Antikörper- sondern um eine Komplementbindungsreaktion (KBR). Die mit Komplement ablaufenden Reaktionen können wir noch nicht direkt sichtbar machen, weder an der Haut noch im Blut. Indirekte Nachweismethoden gibt es zwar, sie sind aber sehr teuer und ungenau und wegen ihres Aufwands Speziallaboratorien mit einer besonderen Ausrüstung vorbehalten. Man sollte sie daher nur vereinzelt und bei unbedingter Notwendigkeit in Auftrag geben (ich denke an den Lymphzytentransformationstest =LTT, den Degranulierungstest oder den Histaminfreisetzungstest).

 

Der Nachweis einer Typ-II- oder Typ-III-Reaktion gelingt noch am besten durch die Provokation bzw. Re-Exposition. Das heißt, einige Wochen nach dem Ereignis bringen wir den Körper noch einmal mit einer kleinen Dosis der verdächtigen Noxe in Kontakt und warten, ob er mit den gleichen Symptomen reagiert.

 

Krankheitsbilder, ausgelöst durch Typ-I-Allergien (Tafel 3 und 4):

 

  • die allergische Bindehautentzündung
  • der allergische Schnupfen, die allerg. Bronchitis u. das allerg.Asthma
  • einige Formen von Nesselsucht
  • und Quincke-Ödem

 

Krankheitsbilder, ausgelöst durch Typ-IV-Allergien:

 

  • kontaktallerg. Handekzem eines Maurers (6-wert.Chromat i. Zement)
  • Handgelenkekzem (Nickel im Deckel der Armbanduhr)

 

Krankheitsbilder, ausgelöst durch Typ-II- und Typ-III-Allergien:

  • Vaskulitis d. Unterschenkel (Arznei-Unverträglichkeit von Aldactone)
  • Generalisiert. maculopapulöses Exanthem (Ampicillin-Unverträglicheit)

 

 

Tafel 1
Tafel 1

Die Allergie- Reaktionen

TYP I

TYP II

TYP III

TYP IV

Antigen- Antikörper im Blut u. in Gewebeflüssigkeit

freie ungebd. Ak                           

atopische Antikörper“                            

Reaktionen von Antigen  und Antikörper mit

Komplement

 

Antigen- Antikörper

Reaktion

in der Zelle

sessile Antikörper“

Zellständig

im Test darstellbar (Haut, Blut)

Nachweis nur d. Provokation

nicht durch Labor

im Test darstellbar (nur Haut, nicht Blut)

Tafel 2
Tafel 2

Die wichtigsten TYP-I-Allergien

1. Die allergische Bindehautentzündung
2. Der allergische Schnupfen, die allergische Bronchitis und das allergische Asthma
3. Die allergische Nesselsucht (Urticaria)
4. Das allergische Quincke-Oedem
5. Die allergische Migräne
6. Die allergische Gelenkentzündung
7. Die allergischen Magen-Darmerkrankungen
8. Der allergische Schock
 
Tafel 3

Die wichtigsten TYP-I-Allergene

  • Pollen (Gräser,Getreide,Bäume,Unkräuter)
  • Tierhaare (Pferd,Katze,Hund,Meerschwein,Kaninchen,Wellensittich,Bett-federn)
  • Stäube (Hausstaub,Mehlstaub,Strohstaub,Dreschstaub)
  • Milben (Hausstaubmilbe,Mehlmilbe,Vorratsmilbe)
  • Latex
  • Schimmelpilze (Alternaria,Cladosporium,Aspergillus,Penicilium,Botrytis)
  • Nahrungsmittel (am häufigsten Fisch,Ei,Milch,Hasel-und Erdnuss,roheMehle,Käse)
  • Insekten (Biene, Wespe, Hummel, Hornisse)
  • Medikamente (besonders Penicilline und Schmerzmittel vom Typ der Pyrazolone)
  • mikrobielle Substanzen (Staphylokokken,Streptokokken,Partikel von Pilzen und Viren)

Tafel 4

Erhebung der Krankengeschichte

  • Allergien in der Familie und in der Blutsverwandtschaft bekannt?
  • Welche Beschwerden liegen genau vor, wie lange schon, wie oft treten   sie auf und wie schwer sind sie?
  • Wie ist der Verlauf:
  1.   Perennial chronisch rezidivierend?
  2.   Saisonal auftretend?
  3.   Im Freien oder in geschlossenen Räumen?
  4.   Tags oder nachts?
  5.   Unter der Woche oder nur am Wochenende?
  6.   Zuhause oder am Arbeitsplatz oder an bestimmten Orten?
  7.   Auftreten nach Genuss besonderer Speisen?
  • Schon einmal früher ähnliche Beschwerden?
  • Schon einmal getestet, welches Ergebnis?
  • Liegen frühere Arztberichte vor?

Tafel 5

Durchführung der Hauttestung

  • Wann?

nicht: während oder unmittelbar nach dem Allergieereignis.

besser: zwei bis drei Wochen später, wenn sich Haut und Schleimhaut wieder etwas beruhigt haben.(Ausnahme: Insektengiftallergien, schwere saisonale Allergien).

  • Wo?

Im Allgemeinen ambulant, nur in Ausnahmen stationär (bei Verdacht auf starke Sensibilisierung bei Medikamenten)

  • Was?

Beginne mit Standard-Übersichtstest

dann folgen u. U. spezifische Allergene (Pilze, Schimmel, Lebensmittel, etc.)

allgem. Prick, u. U. intracutan.

 

Tafel 6

Diagnostik der TYP-I-Allergie

Arzt und Patient versuchen gemeinsam, die einzelnen Bausteine der Diagnostik mosaikartig zur endgültigen Diagnose zusammenzusetzen:

 

  Baustein 1: die Angaben zur Vorgeschichte (Anamnese)

  Baustein 2: das Hauttestergebnis des Pricktests

  Baustein 3: das Hauttestergebnis des Intracutantests

  Baustein 4: die Blutanalyse (Gesamt-IgE, spez. IgE, RAST)

  Baustein 5:

  a) was der Patient zu seiner Vorgeschichte u. den objektiven            Testergebnissen im Nachhinein zu sagen hat (Katamnese).

  b) der Eindruck des Arztes

 

Bei Unklarheiten (wenn das Mosaik nicht zusammenpasst)

- Ergebnis überdenken
- Testung wiederholen
- Weiterführung der Diagnostik
- Provokation (Rhinomanometer, Bodypletysmograph)
 
Tafel 7

Exogenes und endogenes Kontaktekzem

Die Typ-IV-Reaktion stellt eine Ekzemreaktion auf Substanzen dar, die von außen (exogen) durch Kontakt mit der Haut in Berührung kommen.

 

Selten gibt es auch endogene Kontaktekzeme. Hier wird das Typ-IV-Allergen durch die Nahrung aufgenommen und gelangt über den Darm, die Leber und das Blut in die Haut. Es kommt dann zu Ekzemen. Die Haut ist großflächig befallen.

 

Die Schwere des kontaktallergischen Ekzembildes hängt ab:

- vom Grad der Sensibilisierung gegenüber dem Allergen
- dem Stärkegrad (Massivität) der Exposition gegenüber dem Allergen.
 
Tafel 8

Allgemeines zu Kontaktallergenen

Beispiele:

 

- Farben 

- pflanzliche Substanzen

- Kosmetika 

- Schwermetalle

- Arzneimittel 

- Harze

- Konservierungsstoffe 

- Duftstoffe

- Kunststoffe für verschiedene Industriezweige

 

Die häufigsten Kontaktallergene, etwa 20 bis 25 an der Zahl, decken 90 - 93% der Kontaktallergien ab.

 

Tafel 9

Die Epicutantestung

a) Standardtest

 

b) Spezielle Testreihen:

 
  • Friseurstoffe
  • Industriechemiker
  • Maurer
  • Medizinberufe
  • Kosmetika (Salbengrundlagen, Emulgatoren)
  • Gummistoffe
  • Konservierungsstoffe und Desinfektionsmittel
  • Landwirte
  • Fotografisches Gewerbe
  • Zahnprothetikstoffe, Zahnersatz
  • etc.

Tafel 10

Neurodermitis und Allergien

Die Neurodermitis beruht auf einer Erbanlage.

 

Der Neurodermitiker kann die Neigung zu Allergien (besonders zum Typ I, weniger zum Typ IV)

besitzen, muss es aber nicht.

 

Jeder Typ I-Allergiker ist zugleich Neurodermitiker.

Jeder Neurodermitiker muss aber nicht zugleich Typ I-Allergiker sein.