Dr. med. Lothar Fliegner

Hautarzt - Allergologie - Psychotherapie

 

Selbstzahler und Privatkassen

 

Praxis H. Zienert

Düsseldorfer Str.45

90425 Nürnberg

 

Tel: 0911 346010

Mobil: 0172-5708353

Fax.: 0911-92878411

Email.: l.fliegner@gmail.com

Sprechzeiten nur nach Vereinbarung:

 

 

Anmeldungen sind von 18.00 -19.00 Uhr unter 01725708353 und 0911 346010 möglich.

HYPERHIDROSIS

Unter HYPERHIDROSIS versteht man eine übermäßige Schweißproduktion des Körpers.

 

A. EINTEILUNG

Je nach Ausdehnung unterscheidet man lokalisierte bzw. fokale Formen (meistens achsillär oder Hohlhand/Sohle) von generalisierten Formen mit diffusen Schweißausbrüchen am gesamten Körper. Zudem wird die Hyperhidrose als primäre (idiopathisch) oder als sekundäre, d. h. als Folge anderer Grunderkrankungen, definiert.

 

B. DER GENERALISIERTEN HYPERHIDROSE

können sowohl  nervliche Faktoren als auch organische Erkrankungen zugrunde liegen (Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, hormonelle Unausgeglichenheit/Dysbalance während des Klimakteriums, Tuberkulose, Lymphome, Kollagenosen, Flush-Syandrom, neurologische und psychische Leiden wie M. Parkinson, Depressionen, u. vieles mehr).

Daher empfiehlt sich hier zuerst immer eine gründliche und umfassende Untersuchung und diagnostische Abklärung.

 

Mögliche Ursachen für ein generalisiertes übermäßiges Schwitzen sind:

  • eine hormonell bedingte Hyperhidrose
    • das Klimakterium (die Wechseljahre)
    • eine Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion),
  • ein Hypopituitarismus (Hypophysenunterfunktion)
    • ein Phäochromozytom (seltener u. a. adrenalinproduzierender Tumor),
    • andere seltene Hormonstörungen
  • unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Hormone, Psychopharmaka, Antidpressive v. Typ der SSRI, Parasympathomimetika, Kortikoiden, Beta-Blocker, Salicylsäure u. a.)
  • eine Hypoglykämie, z. B. als Symptom einer Zuckerkrankheit oder auch im Rahmen einer heutzutage nicht mehr üblichen Insulinschocktherapie
  • chronische Infekte, Malignome,
  • Kreislaufstörungen wie eine orthostatische Hypotonie
  • Übergewicht
  • als neurologische Hyperhidrose
    • bei Schädigung des Sympathikus (Verletzungen, Halsmarkerkrankung, Halsrippe) oder des Hypothalamus (als einem Ort der Thermoregulation) selbst
  • psychische Probleme: In den meisten Fällen ist die Abgrenzung in Ursache oder Symptom schwer vorzunehmen. Die Schweißproduktion wird durch Stress (Ausschüttung von Adrenalin) zwar gesteigert, eine Hyperhidrose verursacht aber auch selbst schwerwiegende soziale Probleme und kann damit die Entstehung psychischer Störungen bedingen.

Als nächtliche Hyperhidrosis (Nachtschweiß) bezeichnet man ein übermäßiges Schwitzen während des Schlafes, das als mögliches Zeichen einer systemischen Erkrankung wie einer Kollagenose, eines Lymphoms oder einer Tuberkulose ernst genommen werden sollte. Aber auch hier ist es schwierig, zwischen einem Schwitzen ohne und mit Krankheitswert zu unterscheiden. Als ein recht zuverlässiges Kriterium hierfür gilt, ob der Schlaf in seiner Qualität deutlich beeinträchtigt wird und man z. B. in der Nacht aufstehen muss, um  Nachtgewand oder gar Bettlaken zu wechseln.

 

C. DAS ÖRTLICHE SCHWITZEN

(vorwiegend lokalisiert im Bereich der Achseln, der Hohlhände und der Sohlen, selten auch am behaarten Kopf, der Stirn und anderen Körperstellen) ist meistens nervlich bedingt, nur selten finden sich bei ihm organische Ursachen.

 

C-1.Diagnostik

Im Rahmen der Diagnostik stehen mehrere qualitative und quantitative Test-Methoden, die vornehmlich Ausmaß und Lokalisation der Hyperhidrose ermitteln, zur Verfügung. Während qualitative Testmethoden die Stellen nachweisen, an denen eine verstärkte Schweißproduktion auftritt, kann durch quantitative Messverfahren die Schweißmenge pro Zeitintervall festgestellt werden. Diese objektiven Testverfahren helfen dem behandelnden Arzt – zusammen mit einer eingehenden Anamnese (neben dem subjektiven Empfinden auch die Familienanamnese) – den Grad der Hyperhidrose zu ermitteln sowie geeignete Therapien auszuwählen.[2]

  • Jod-Stärke-Test (auch Minor-Test): Der Minor-Test ermöglicht eine farbliche Abgrenzung der betroffenen Körperstelle mithilfe einer speziellen Jod-Lösung: Potentiell betroffene Hautareale werden damit eingepinselt und anschließend mit Stärkepulver bestäubt. Bereiche, an denen eine übermäßige Schweißproduktion auftritt, färben sich braun.[2]
  • Gravimetrie: Hierbei wird ein spezielles Papier für einen bestimmten Zeitraum auf das betroffene Hautareal aufgebracht. Durch eine Differenzmessung des Gewichts des Test-Papiers vorher und nachher kann so die Schweißmenge pro Zeiteinheit ermittelt werden.

 

D. THERAPIE DER PRIMÄREN HYPERHIDROSE

Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten. Von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft wird ein stufenweises Vorgehen in Abhängigkeit vom Ausmaß der Erkrankung empfohlen:[2]

Axilläre Hyperhidrose

  1. Topische Therapie mit Antitranspiranten (Aluminiumchlorid, gerbsäurehaltige Externa)
  2. Chemische Denervierung mit Botulinumtoxin A
  3. Chirurgische axilläre Schweißdrüsenentfernung
  4. Systemische Therapie mit Antihidrotika oder Psychopharmaka

Hyperhidrose der Hand- und Fußflächen

  1. Topische Therapie mit Antitranspiranten
  2. Leitungswasser-Iontophorese
  3. Chemische Denervierung mit Botulinumtoxin A
  4. Systemische Therapie mit Antihidrotika oder Psychopharmaka
  5. Ultima ratio bei palmarer Hyperhidrose: operative thorakale Sympathektomie

Generalisierte, primäre Hyperhidrose

 

nur systemische Therapie mit Antihidrotika oder Psychopharmaka

 

Im einzelnen gilt:                                              

 

D-1. Topisch

Metallsalze eigenen sich für den Bereich der Achseln, der Hohlhände und Sohlen. So z. B. verstopfen Aluminiumsalze die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen, wodurch die Schweißproduktion gehemmt wird und sich bei längerer konsequenter Fortführung der Therapie reduziert. Die Schweißdrüsen schrumpfen dauerhaft. Aluminiumsalz wird in Gelform abends nach dem Waschen vor dem Schlafengehen (geringste Sympathikusaktivität) auf die trockene aufgetragen.  Hinweise auf toxische und krebserzeugende Effekte des Aluminiums bei topischer Anwendnung werden immerwieder in der Fachpresse diskutiert, konnten bisher jedoch nicht erhärtet  werden.
 

Die Iontophorese eigenet sich besonders für die Hohlhände und Sohlen. Ein schwacher Gleichstrom bewirkt die passagere hemmung der Schweißnervenendigungen. Für einen lang anhaltenden Effekt empfiehlt sich eine fortlaufende Behandlung, die mit einem Heimgerät zu Hause erleichtert wird.
 

Botulinumtoxin bietet bei nahezu allen Formen des örtlichen  Schwitzens eine sichere und effektive Bdehnadlungsoption. Es überzeugt durch hohe Patientenzufriedenheit und evidenzbasierte Daten, wie sie für keine andere Therapieform der örtlichen Hyperhidrosis vorliegen.. Abzuwägen  sind allerdings die Therapiekosten und die Behandlungswiederholungen im Abstand von 6 – 12 Monaten (an Händen u. Sohlen 3 – 6 Monate).

Die Durchführung der intradermalen Injektionen ist axillär leicht möglich, während sie an Hohlhänden und Sohlen meist eine schmerzlindernde Vorbehandlung erfordert.

 

D-2. Systemisch

Bei generalisiertem Schwitzen kann der Einsatz von Medikamenten mit anticholinerger Wirkung erwogen werden. Bornaprin und Methatheliniumbromid sind in Deutschland zugelassen. Oxybutynin Oxybutin) ist ebenfalls sehr wirksam, gilt aber noch als out of limits. 

 

D-3. Operativ

Entfernung der Schweißdrüsen. Bei örtlicher Hyperhidrose, die sich auf die Achselhöhle beschränkt, kann das entsprechende Areal exzidiert werden.

Ein anderes sehr schonendes Vorgehen ist die Entfernung der Achselschweißdrüsen mittels geschlossener Abschabung (Curettage) über einen kleinen Hautschnitt oder mittels Liposuktion (Fettabsaugung) des Unterhautfettgewebes der Achseln.

 

Sympathektomie. Sie kann videoskopisch kontrolliert bei fokaler Hyperhidrose der Hände bei Versagen anderer Therapieformen erwogen werden. Bei diesem Vorgehen sind schwere Komplikationen – wenn auch selten – möglich. Diese Behandlungsform sollte vorher eingehend überlegt sein.